24.02.2019 – Eine Woche #2

Ein Gedanke | Mit der Abgabe meiner Seminararbeit ist neulich mein erstes von vier Semestern in Flensburg zu Ende gegangen. Seit September habe ich mich quasi rund um die Uhr mit Klimawandel, Nachhaltigkeit und dem (Miss)Zustand unserer Welt beschäftigt. Manchmal etwas deprimierend (okay, ziemlich häufig sogar), aber immer auch sehr interessant, wenn man sich plötzlich aus Forschungssicht vertiefend mit Dynamiken und Strukturen auseinandersetzt, die unser globales System zu dem machen, was es gerade ist. Die Arbeit habe ich übrigens zu Rights of Nature geschrieben, aber dazu wann anders mehr.

Ein Link | Der Spiegel hat diese Woche einen Auszug aus dem neuen Buch von Fatma Aydemir und Hengameh Yaghoobifarah (Hrsg.), Eure Heimat ist unser Albtraum vorab veröffentlicht, in dem Aydemir über Migrant_innen, Zugangsgerechtigkeit zu Bildung/Arbeit und den Arbeitsmarkt nachdenkt. Sie schreibt dort pointiert:

„Der German Dream meiner Eltern war, ihren Kindern ein Studium zu ermöglichen und ein großes deutsches Auto zu fahren. Und was ist meiner? Ganz einfach: Ich will den Deutschen ihre Arbeit wegnehmen. Ich will nicht die Jobs, die für mich vorgesehen sind, sondern die, die sie für sich reservieren wollen – mit der gleichen Bezahlung, den gleichen Konditionen und den gleichen Aufstiegschancen. Mein German Dream ist, dass wir uns alle endlich das nehmen können, was uns zusteht – und zwar ohne dass wir daran zugrunde gehen.“

Fatma Aydemir, Das Ende des German Dream

Eine Frage | Worauf verwendest du viel Zeit? (aus den 1000 Fragen an dich selbst von FLOW)

Grundsätzlich: Ganz eindeutig Lesen. Seien es Texte im Internet, wissenschaftliche Artikel für das Studium oder (Sach)Bücher für mein Freizeitvergnügen. Es vergeht eigentlich kein Tag, an dem ich nicht irgendetwas in Langform lese. Seit ein paar Monaten zudem: Telefonieren mit Menschen, die mir wichtig sind.

Gelbes Schloss in Oldenburg mit einem wolkenfreien Himmel. Am Rand des Schlossplates sitzen einige Menschen.

Ein Foto | Am Samstag haben M und ich uns die Ausstellung der World Press Photos in Oldenburg angesehen. Einige der Bilder sind sehr eindrückliche Zeugnisse der vielfältigen sozial-ökologischen Krisen und Konflikte, mit denen wir als Menschen uns in diesem Jahrzehnt beschäftigen müssen. Leider war die Ausstellung sehr voll mit Menschen, was zusammen mit gefühlt kleinen Hinweisschildern für regelrechte Zuschauer_innentrauben vor einigen der Fotografien gesorgt hat. Außerdem sind mir beim Anschauen zwei Dinge aufgefallen: Erstens wurde in einer Bildbeschreibung zu einer geschlechtsangleichenden Operation mehrfach das Wort „Geschlechtsumwandlung“ benutzt, gegen das sich viele LGBTIQ-Aktivist_innen aussprechen. Der englische Text benutzte „gender affirming surgery“, wenn ich mich recht erinnere. Ich weiß sehr wenig über den Museumsbetrieb, daher verzeihe man mir meine vielleicht naiven Fragen: Gibt es bei der Konzeption von Ausstellungen eigentlich so etwas wie sensitivity-reading, d.h. lesen Expert_innen die Hinweistexte im Hinblick auf Wortwahl etc.? Wer entscheidet eigentlich, was auf solchen erklärenden Tafeln steht? Und wie gehen Museen eigentlich mit Trigger- oder Contentwarnungen bei Exponaten um? Für Hinweise zu beiden Fragen auf Twitter oder Instagram bin ich da sehr dankbar!

Ein Buch | Eine nette Freundin hat mir vor einigen Wochen das Buch „Stille“ von Kankyo Tannier, einer französischen Zen-Nonne, ausgeliehen, das ich seit Freitag lese. Besonders gut gefällt mir, dass die Autorin es schafft, dass ich mich sogar beim Lesen entspanne. Pluspunkt: Sie merkt in der Einleitung an, dass freie Zeit ein Ausdruck von Privilegien sein kann und reflektiert ihre eigene Vorstellungen von Macht.